Rumreden, aber richtig!

Rumreden führt zu langen Diskussionen. Denn jeder Rum ist nicht nur anders, auch fast jedes Merkmal von Rum unterscheidet sich von Flasche zu Flasche. Dieser Vielfalt gerecht zu werden, macht einerseits den Reiz des Rumprobierens aus. Andererseits ist Rumtrinkern dadurch aber auch schnell klar: Es gibt immer noch einen unbekannten Rum, irgendwo da draußen und der ist anders, als alles, was man bis dato kennt.

 

Sprachliche Navigation auf der Rumreise

Dark Rum, Golden Rum, White Rum, Spiced Rum, Rumverschnitt, Doubleaged, Solera, Single Cask, Pot Still, Coloumn Still, industriell, agricole…. und was ist mit Rum, der Rhum oder Ron heißt? Über Rum zu reden ist gar nicht einfach. Denn die Kategorien in denen über Rum gesprochen und geurteilt wird, sind meist flexibel. Während der eine bei Rum an ein Fledermauslogo denkt, ist der andere mental bei exklusiven Einzelabfüllungen. Wer Martinique oder Guadeloupe oder einfach einen Supermarkt in Frankreich besucht hat, versteht unter Rum etwas anderes als der Karibik-Kreuzfahrt-Urlauber, der den Tagesausflug in die Destille auf Barbados dazu gebucht hat.

 

Rumbewertungen nach Farbe, Nase und Geschmack reichen nicht aus

Bisher wurde auf den Seiten der Rumcommunity in den Kategorien Farbe, Nase, Geschmack geurteilt. Das finde ich gut, aber das reicht nicht. Wo liegt die Grenze zwischen Dark und Gold Rum? Warum schmeckt ein Ron anders als ein Rhum? Es ist Zeit individueller über Rum zu reden. Darum möchte ich vorwarnen, dass ich in meinen Rumverkostungsberichten von diesen drei Aspekten abweichen werde. Folgende Fragen beantworte ich dann und ich freue mich über weitere, die ich womöglich noch nicht bedacht habe:

  1. Wie riecht und schmeckt dieser Rum?
  2. Wie sieht er aus, von der Verpackung bis zur Konsistenz?
  3. Was mag ich an diesem Rum und was nicht?
  4. Wem würde ich diesen Rum empfehlen und wozu?
  5. Was muss man über diesen Rum wissen?

Und damit möge das Rumtrinken und Rumreden beginnen. Dialoge und Diskussionen sind herzlichst erwünscht und willkommen. Denn um über Vielfalt zu sprechen, braucht man viele Mitrumredner!

Rum und Ostern

Wer meint Ostern habe nur etwas mit Hasen und Schokolade zu tun, der irrt! Die Ostertage sind ganz einer Sache gewidmet: Den Eiern! Wozu sind Eier gut? Für Eierlikör, liebe Rumfreunde. Daraus ergibt sich das Osterparadox. Denn wenn in Eierlikör Rum ist, warum schmeckt das Zeug dann meist zur semi-lecker. Ich gehe der Frage nach und biete Alternativen zum Eierlikör an Ostern.

 

Zu oft vergessen oder ignoriert: Eierlikör ist ein Rumgetränk

Eigelb, Zucker, Kondensmilch und Rum sind die Grundsubstanzen des Oster- und Weihnachtsmarktgetränkes. Während in sämtlichen Rezepten der Eierlikörherstellung die Größe der zu verwendeten Eier benannt und diskutiert wird, widmet sich niemand von Chefkoch bis Kochbar niemande der Frage nach dem dem Rum im Eierlikör.

 

Der beste Rum für Eierlikör

Was ist der beste Rum für Eierlikör? Die Antwort: Ein hochprozentiger, süßer Rum, mit viel Karamell. Während ich persönlich spiced Rums eher skeptisch gegenüber stehe, darf selbst dieser meiner Ansicht nach in einem Eierlikör landen. Je mehr Aroma der Rum hergibt, desto weniger Gewürze müssen in die Flüssigkeit, die durch zähe Zimtbröckchen im Munderlebnis nicht besser wird. Man mag argumentieren, dass für so etwas ordinäres wie einen Eierlikör auch ein billiger Rum genügt. Persönlich finde ich das nicht schlüssig, denn ich greife ja auch zum Bio-Ei und ich Kopfschmerzen lassen mich zu einem unerträglichen Wesen werden.

Darum sind meine Favoriten für Rum in Eierlikör:

  • Old Monk 7 Jahre 42,8 % wegen des Karamell-Geschmacks
  • Klassisch starke Jamaika-Rums, insbesondere der Caney Anejo Centuria 7 Jahre 38 % wegen der starken Vanille

 

 

Die Rumcommunity hat eine neue Gastgeberin

Liebe Rumcommunity,

Rumcommunity_JulianeUngaenzich freue mich als neue Gastgeberin dieses edlen Zirkels zu fungieren. Fortan erhaltet ihr von mir Neuigkeiten, Verkostungsberichte und Antworten auf eure Fragen. Darum möchte ich mich gerne kurz über meine Leidenschaft für unser aller Lieblingsgetränk vorstellen: Mein Name ist Juliane und ich „age“ inzwischen 30 Jahre in Deutschland, vormals in Hessen, inzwischen in Köln. Hauptberuflich arbeite ich als Marketing Managerin und Indie-Autorin. Zu letzterem ist wohl mein glutenfreies Backbuch an dieser Stelle zu nennen, indem ich erkläre wie man u.a. einen Dark & Stormy in handliche Küchleinhappen zaubert. Mein Lieblingsrum hängt immer von der Tages- und Jahreszeit ab. Ich diskriminiere Rums nicht wegen ihrer Farblichkeit. Und ich finde, dass Rum endlich das Rampenlicht bekommen sollte, das ihm zusteht.

In diesem Sinne danke ich Nikolas Nienaber für die großartige Arbeit auf rumcommunity.de und freue mich auf spannende Dialoge, Erlebnisse und neue berauschende Freundschaften!

Cheers my friends!

Eure Juliane

Rum + Cane Merchants Philippines XO

Nach einiger Wartezeit kommt hier ein neues Tasting aus der Reihe “Rumexoten”.

Erneut fiel die Wahl auf einen Vertreter aus dem asiatischen Raum, genauer gesagt, ein Rum von den Philippinen.

Ein Exot ist der Rum in erster Linie aufgrund der Tatsache, dass man die Philippinen nicht unbedingt in erster Linie mit Rum in Verbindung bringt, wohl eher mit idyllisch gelegenen Reisterrassen, Stadtzentren mit spanischer Architektur und tollen Tauchrevieren. Die Exotik verblasst aber ein wenig angesichts des für Zuckerrohranbau optimalen subtropischen bis tropischen Klimas. Die Insellage sorgt zudem für ein noch ausgeglicheneres Klima.

Der Exotenstatus wird dann aber wieder durch seinen besonderen Status gepusht:

Der Rum wird von Crucial Drinks mit Sitz in Kilmarnock an der schottischen Westküste unter der Marke West Indies Rum & Cane Merchants vertrieben. Diese Firma führt  noch ein zweites Label für Rum (Six Saints) und zudem ein Label für Single Malt Whisky, die das Geschmacksprofil bereits geschlossener Destillen wiederbeleben sollen(daher der Name „The Lost Distillery Company“).

Bei West Indies Rum & Cane Merchants handelt es sich um eine Serie von Einzelfassabfüllungen aus verschiedenen Ländern, darunter “klassische “ Herkunftsländer wie Guyana und Cuba, aber auch so selten zu findende Länder wie die Fidschies und eben die Philippinen. Es wird bewusst eine Auswahl aus eher unbekannten Destillen getroffen und man legt Wert, den Rum in dem Alter anzibieten, der nach Meinung der Spezialisten bei Crucial Drinks genau den Charakter der Destille und des Herkunftslandes entspricht. Zudem wird auf jegliche Färbung oder Kühlfiltration verzichtet; die Jungs scheinen ihre Sache sehr ernst zu nehmen, was das Ganze sehr sympathisch macht.

Jedes Release ist auf genau ein Fass limitiert, entsprechend wenige Flaschen sind verfügbar und entsprechend hoch sind die Einstiegspreise.

Der Rum & Cane Merchants Philippines XO wird also von einer kleinen Brennerei Namens Bago produziert, die als Rohstoff sehr hochwertige Melasse verwendet. Die Lagerung erfolgt in einem refill Rumfass (allerdings wird nicht erwähnt, welcher Rum darin vorher gelagert wurde).

 

Aber nun zum Rum:

Die ungewöhnliche Flaschenform ist schon ein Hingucker und bringt Abwechslung ins Flaschenarsenal der Bar / der Vitrine. Auch die dezente Optik der Etiketten passt da sehr gut ins Bild. Auf dem Etikett ist neben den Standardangaben (Herkunft, Alkoholgehalt) auch noch explizit die Tatsache, dass nicht gefärbt und nicht gefiltert wurde, sowie die Destille, der Grundstoff, der Fasstyp, die Fassnummer (macht das Sinn, wenn es eh nur ein Fass ‘von gibt?) sowie die Flaschennummer (hier 266) vermerkt. Der Rum wurde mit 46% vol. abgefüllt.

 

Farbe:

Angesichts der Tatsache, dass nicht gefärbt wird und das Fass bereits einiges an Farbe an den Vorgänger-Rum abgegeben hat, muss die Lagerung ziemlich lange gewesen sein, um dem Produkt eine derartig kräftige dunkelrote Mahagonifarbe zu verleihen.

 

Nase:

Beim ersten Zug durch die Nase fällt auf, dass der Rum trotz 46% kaum bis gar nicht alkoholisch sticht. Stattdessen zeigen sich anfangs sehr kräutrige Noten, ich meine, etwas Lakritze zu erkennen, dann geht das Aroma Richtung Frucht (Birne und überreifer Apfel), um zum Schluss Aromen von etwas gebranntem braunen Zucker einzustreuen.

 

Geschmack:

Ououou…. Der hat mich aber mit seiner „nichtalkoholischen“ Nase ganz schön aufs Kreuz gelegt, denn beim ersten Schluck kommt der Alkohol sehr vehement daher, unmittelbar setzt starker Speichelfluss ein, es ist etwas schwierig, einzelne Aromen zu identifizieren. Erst muss ich mit dem Stich klarkommen. Hm, das hatte ich bei „nur“ 46% so nicht erwartet. Aber weiter im Text:

Nach dem scharfen Auftakt kommen nun langsam die Aromen: Durchaus präsente Karamelaromen, etwas Ester (mann, der fitzelt immer noch auf der Zunge…), Aber wenn dann etwas verdünnung im Mund einsetzt, dann kommen deutliche, aber sehr weiche Tannine vom Holz hervor, außerdem etwas Tabak, dann zeigt sich auch wieder das überreife Obst. Das Finish ist  relativ trocken und wird wieder von den Holznoten geprägt.

Wenn man einige Tropfen Wasser hinzugibt, wird das ganze Aromenspektrum doch deutlich Richtung Frucht verschoben.

 

Als Fazit lässt sich sagen, dass auch dieser Rum  durch seine direkten und unverfälschten Aromen gefällt. Er braucht definitiv etwas Zeit, man muss sich mit ihm beschäftigen. Er ist durch seinen etwas kantigen Charakter weniger für Rumeinsteiger und Süßrumtrinker geeignet. Allerdings schlägt er geschmacklich auch nicht so krass um sich, wie etwa ein Caroni. Er bewegt sich da eher im „Mittelfeld“.

Auf jeden Fall zeigt es einmal mehr, wie vielfältig Rum ist und es macht jedes Mal wieder Freude, wenn man sein Aromengedächnis um eine weitere Nuance bereichern kann.

 

Ryoma 7 Years: Rum aus Japan

Und weiter geht’s in der Reihe “Rumexoten”.

Kommen wir zu einem Land das für viele Sachen bekannt ist: Den effizientesten Hochgeschwindigkeitszug der Welt, High-Tech Elektronik, Autos, rohen Fisch in Massen, gute Skispringer, Höflichkeit und Lächeln….. Richtig, die Rede ist vom Land der aufgehenden Sonne, Japan. Aber Rum? Aus Japan? Da Wäre doch erst einmal der weit verbreitete Glaube, Japaner könnten keinen Alkohol trinken, weil ihnen ein Enzym dazu fehlt. Nun, das mag für einige wenige Japaner zutreffen, und meist nur dann, wenn sie deutsches Bier trinken. Aber das ist nur die halbe Wahrheit, denn der Japaner an sich trinkt sehr wohl und auch recht viel. Das wird spätestens dann ersichtlich, wenn man in ein Izakaya geht, einer Art Kneipe, die eher dem österreichischem Heurigen ähnelt: Ein Laden, in dem es ein wenig delikates Essen und jede Menge zu Trinken gibt.

Japans Nationalgetränk ist nach wie vor der Sake, der Reiswein, der nicht gebrannt, sondern wie Bier mit Hefekulturen gebraut wird. Mittlerweile hat ihm aber von der Menge her das Bier längst den Rang abgelaufen. Zudem wird landesweit auch ein Reisschnaps, der sogenannte Shochu produziert, der je nach Herkunftsregion mal aus Reis, mal aus Gerste, oder auch aus Süßkartoffeln oder Zuckerrohr gebrannt wird und zwischen 25% und bis zu 70% Alkohol (beim Awamori aus Okinawa) enthält.

In den letzten Jahren haben sich auch eine Reihe Wisky-Destillen einen Namen gemacht und zum Teil sogar den etablierten Schotten ernsthaft Konkurrenz gemacht, allen voran Suntory, Nikka und Karuizawa.

Und da kommen wir auch schon dem Rum ziemlich nahe.

Auf Shikoku (eine der 4 Hauptinseln zwischen Honshu, Kyushu und dem Pazifik) liegt im Städchen Aki in der Präfektur Kochi an der Südküste zum Pazifik die Kikusui Sake Brewing Company: Wie der Name schon sagt, wird hier hauptsächlich Sake hergestellt, jedoch ist die Brauerei sehr experimentierfreudig und hat eine Reihe ungewöhnlicher Produkte im Programm; unter anderem finden sich dort Süßkartoffel-Shochu und Joghurt-Likör.

Ganz nebenbei ist Kikusui aber auch der älteste Zuckerrohrverarbeiter Japans. Immerhin befindet sich die Stadt Aki auf demselben Breitengrad wie die Kanaren oder Nordafrika, zwar nicht mit tropischem Klima gesegnet, aber dennoch warm und beständig genug, um hier Zuckerrohr anzubauen.  Was also lag da näher, als den guten Grundstoff und das Know-How dazu zu verwenden, auch mal einen Rum draus zu destillieren.

Kommen wir nun zum Rum:
Es handelt sich um einen Rum, der  wie  Agricoles aus frisch gepresstem Zuckerrohrsaft destilliert wurde. Die Reifung erfolgte über einen relativ kurzen Zeitraum von 7 Jahren durchgehend in Eichenfässern. Er wurde mit einem Alkoholgehalt 40% Vol.  in 0,7 Liter  Flaschen  abgefüllt.

Es kursieren einige Stories zur Bezeichnung “Ryoma”:  Sie ist angeblich angelehnt an den berühmten Samurai Ryoma Sakamoto, einem der Wegbereiter der Meiji – Restauration und damit der Modernisierung Japans. Vielleicht soll damit der “neue Weg” symbolisiert werden, den die Brauerei mit der Rumproduktion eingeschlagen hat. Wer weiß…. Fakt ist, dass das Familienwappen Ryoma Sakamotos auf der Versiegelung des Schraubverschlusses gedruckt ist.

Die Aufmachung mit der minimalistischen Verpackung, der mattschwarzen Flasche und dem silber schimmernden Grasdekor auf dem Etikett macht auf jeden Fall Eindruck und hebt sich  durch die Schlichtheit und Prägnanz wohltuend von anderen Rumflaschen und -Verpackungen ab.

Der Rum selber hat eine sehr helle Farbe, fast könnte man ihn als “farblos” bezeichnen, wenn man sich zum Vergleich einige ähnlich alte Rums aus der Karibik daneben stellt (bei denen ja oft genug fleißig mit Zuckerkulör nachgeholfen wird).  Die Färbung geht Richtung pastellgelb, man meint einen minimalen Grünstich zu erkennen. Hier wurde vermutlich nur sehr dezent nachgefärbt, wenn überhaupt.

Der dezente Auftritt im Glas wird jedoch beim ersten Schnuppern widerlegt: Der Rum präsentiert sich sehr floral mit agricole-typischen gelben Fruchtaromen, die hier aber wesentlich subtiler daherkommen. Im Hintergrund meint man, etwas Hefe-Artiges wie eben bei einem Shochu, wahrzunehmen. Zum eine kommt minimal das Eichenfass. untermalt von einer leichten Bananen-Note.

 

Der Geschmack setzt den ersten Eindruck der Nase fort: Anfangs noch etwas stichig, wird er mit jeder Sekunde runder: Wiederum kommt zu Anfang der Agricole – Charakter, aber auch hier verhaltener und verspielter: Erst kommt das Bananige, es folgen wieder florale Noten. Zum Ende schleicht sich eine sehr dezente Süße dazu, die fast wie hingehaucht wirkt und das Ganze schön abrundet. Hier schmeckt man dann auch die vielzitierten Vanillearomen, wobei ich die nicht so vordergründig präsent sehe und diese auch nicht mit den Vanillebomben aus der Dom-Rep vergleichen kann.

Der direkte Abgang erscheint seltsamerweise etwas abrupt und kurz. Aber der Nachhall im Mund bleibt lange erhalten. Auch später im trockenen Glas bleibt noch ein wunderbar blumiges Aromenspiel.

Alles in allem ein Rum der mit ehrlichen und unverfälschten Aromen daherkommt und einem nichts vorgaukelt. Gefällt mir sehr gut.

Interessanterweise zielt der Hersteller, wie bei einer Vielzahl seiner Produkte, so auch bei diesem Rum vor allem auf das weibliche Publikum, wobei ich mir da nicht sicher bin, ob die Rechnung aufgeht. Der Rum ist zwar sehr verspielt und floral, hat aber auch seine Ecken und Kanten und ist kein Gaumenschmeichler, wie die Süßrums aus der Karibik.

Es ist in jedem Fall eine wohltuende Abwechslung und ich kann ihn allen Agricole – Liebhabern und Leuten, die mal über den Tellerrand schauen möchten, wärmstens empfehlen.